2013 Frühjahrskonzert Kritiken

Frisch wie der junge Frühling

Metzinger Volksblatt vom 23.04.2013

Das Kammerorchester Metzingen legt zu: an Intensität und Spielfreude. Beim Frühjahrskonzert in der Martinskirche beeindruckte es mit drei kontrastreichen Werken von Telemann, Dvorák und Hindemith.

Autor: SUSANNE ECKSTEIN

Oliver Bensch und sein Streichorchester finden immer wieder reizvolle Stücke, die man kaum je zu hören bekommt, und kombinieren sie mutig zu originellen und kontrastreichen Programmen.

Wie auch dieses Mal: Mit Georg Philipp Telemanns Suite G-Dur „La Bizarre“ machte gar ein Beispiel für Humor in der Musik den Auftakt. Nur — was Telemanns Zeitgenossen kurios fanden, klingt für heutige Ohren normal. Eigentlich müsste man eine Extra-Werkeinführung anbieten, um dem verborgenen Witz auf die Schliche zu kommen.

Dafür bot das Streichorchester reichlich Spielwitz in der Gestaltung: Frisch wie der junge Frühling spielten die Laienmusiker auf, temperamentvoll und diszipliniert zugleich gelang das vielstimmige barocke Konzertieren in der Ouvertüre. Dass die folgenden Suiten-Sätze von der Tanzmusik herkommen, wurde deutlich vor Ohren geführt; agil und rhythmisch akzentuiert erhielten sie – je nach Charakter – Schmiss, Schwung, Würde oder Anmut. Mit spitzer, flotter Feder wurden die raschen Spielfiguren im Finalsatz „Le Rossignol“ nachgezeichnet, die offenbar eine mechanische Nachtigall darstellen.

Nach einem Sprung über die Epochen hinweg landete das Ensemble bei Antonin Dvorák, dessen Romanze f-Moll op. 11 in einer Streicher-Bearbeitung von Xaver Paul Thoma (der übrigens ganz in der Nähe in Kirchheim/Teck lebt) – und mitten im Herz der Romantik.

Das Violin-Solo schmeichelte sich wunderbar lebendig und melodiös ins Ohr, so sehnsüchtig wie dramatisch, präzis und klangschön gestaltet von der Geigerin Beatrice Erhart, seit 2011 Konzertmeisterin im Kammerorchester Metzingen. Die sordinierten Begleit-Streicher nahmen ausgesprochen lebendig teil an den Entwicklungen; was früher manchmal etwas statisch wirkte, kommt offenbar in Fluss, bemerkenswert die durchgehende, wache Spannung in jeder einzelnen Stimme.

Dieser zauberhaften Romanze nun direkt Paul Hindemiths neutönerische fünf Stücke für Streichorchester aus dem Jahr 1927 folgen zu lassen, zeugt von Wagemut. Bei ihnen handelt es sich nämlich um Orchester-Studien, die eigentlich nicht fürs Konzert gedacht sind und nicht nur fortgeschrittene Spieler fordern, sondern auch tolerante Hörer. Oliver Bensch, der das Ensemble wieder mit viel Schwung und Sachverstand dirigierte, tat gut daran, eine kurze, doch informative Einführung in die auch heute noch herb wirkende Klangsprache Hindemiths vorauszuschicken, dessen Todestag sich im Dezember zum 50. Mal jährt.

Auch die Streicher engagierten sich hörbar für die Sazufolge, die in traditionellen Techniken ähnlich einer barocken Suite gearbeitet ist, doch spröde anti-romantisch klingt. Sensibel und mutig holten sie viel Gefühl aus den kargen Notaten, setzten kraftvolle Akzente, arbeiteten Strukturen heraus, folgten akkurat den polyphonen Linien und trotzten mit erhöhter Binnenspannung und liebevoll-energischem Zugriff manch ratlosen Blicken aus dem Publikum, das sich jedoch großteils von dem lebendigen Konzertieren mitreißen ließ.

Erstaunlich, wie man penible Arbeit und musikalische Intensität zu solch frappierender Wirkung verbinden kann! So lebhaft wie die Darbietung geriet der lang anhaltende Beifall, gefolgt von einer „klitzekleinen“, von Oliver Bensch selbst arrangierten (nun wieder romantischen) Zugabe.

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