2011 Matinée Kritiken

Kritiken zu dem Frühjahrskonzert des Kammerorchesters Metzingen am 22.05.2011 in der Martinskirche Metzingen

Lebhaftes Spiel und blühender Sopran

Aus dem Metzinger Volksblatt vom 24.05.2011

Metzingen. In ungewohntem Rahmen: Das Kammerorchester Metzingen lud zu einer Matinee in die Martinskirche. Auf dem Programm stand Barockes und Klassisches.
Das war wohl ein anstrengender Vormittag für die Mitglieder des Kammerorchesters Metzingen. Zuerst wurde gemeinsam mit der Martinskantorei im Gottesdienst eine Magnificat-Vertonung von Jan Dismas Zelenka aufgeführt, daran schloss sich unmittelbar die Konzertmatinee an. Schlug sich die Unruhe des turbulenten und verspäteten Beginns im Spiel des Kammerorchesters nieder? Die vier als abwechslungsreiche kleine Suite angeordneten „Kontrapunkte“ aus Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ wirkten jedenfalls nicht ganz so klar und sicher wie im Oktober, als das Kammerorchester sie in der Stadthalle aufführte.

Erlösung von aller Wirrnis brachte Mozart: Sein schlichtes Andante in C-Dur für Flöte und Orchester wurde von der jungen Flötistin Ulla Teutsch mustergültig dargeboten. Ruhig und einfühlsam begleiteten die Streicher ihr klares und ausgewogenes Spiel, das von langem Atem und strahlendem Flötenton getragen wurde.

Das zweite Bach-Werk des Programms, das Violinkonzert A-Dur BWV 1041, kostete erneut Kraft und Konzentration. Hier präsentierte sich Oliver Bensch als Violinsolist und Ensembleleiter in Personalunion, der die Herausforderungen des anspruchsvollen Werks mit lebhafter Gestik und sicherer Hand meisterte. Schwungvoll und energisch, manchmal etwas forciert im Ton, gestaltete er eine überzeugend dichte und lebhafte Interpretation aus der Mitte der Orchesterstimmen heraus. Für einen Dirigenten eine bewundernswerte Leistung, die vom Publikum auch mit begeistertem Applaus bedacht wurde.

Den Schluss bildete Franz Schuberts Salve Regina in A-Dur (D 676) für Sopran und Orchester mit Susanne Moldenhauer als Solistin. Ohne Einführung und Text schien das Werk manchen Zuhörer etwas ratlos zu lassen. Doch das relativ selten zu hörende Werk erwies sich als melodiöser Gesang von schlichter Schönheit, thematisch einer Parallelvertonung durch Schuberts Lehrer Antonio Salieri ganz ähnlich, von Susanne Moldenhauer makellos und mit voller, strahlend vibrierender und aufblühender Sopranstimme dargeboten.

Dass das ursprünglich als Abschluss vorgesehene Mozart-Divertimento weggelassen wurde, war verständlich und sinnvoll – nach einem langen, durchmusizierten Vormittag in ungewohntem und schwierigem Rahmen waren die Kräfte der Mitwirkenden vermutlich erschöpft. Lebhafter Beifall.

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Matinee – Metzinger Kammerorchester und Gäste spielten in der Martinskirche Werke von Bach, Mozart und Schubert

Reutlinger General-Anzeiger, ebenfalls vom 24.05.2011

Drei fabelhafte Solisten

VON CHRISTOPH B. STRÖHLE

METZINGEN. Mit Werken großer Komponisten, einem beweglichen, kultivierten Streicherklang und drei fabelhaften Solisten hat das Metzinger Kammerorchester am Sonntag bei einer Konzertmatinee in der Metzinger Martinskirche geglänzt. Den Anfang machten vier Kontrapunkte aus Johann Sebastian Bachs »Kunst der Fuge«, die das 24-köpfige Ensemble unter der Leitung von Oliver Bensch nach etwas holprigem Start insgesamt überzeugend musizierte.

Dem beständigen Fließen der Stimmen zu Beginn folgten Stücke mit betont gelöstem, freudigem Charakter, eine von den Bratschen eingeführte Chromatik, die die hohen und tiefen Register durchmaß und von Schmerz kündete, sowie ein energischer Abschluss, bei dem das Orchester die Stimmen kunstvoll ineinander flocht und übereinander schichtete.

Bezaubernde Frische des Tons

Als Solist in Bachs Violinkonzert a-Moll konnte Orchesterchef Bensch überzeugen. Mit seiner hohen Musikalität machte der studierte Geiger das ebenso feinsinnige wie prachtvolle Werk zu einem Fest. Zu einer bezaubernden Frische und Grazie des Tons gesellten sich erlesene Sanglichkeit und eine kraftvolle Eleganz, für die im edlen Wettstreit mit dem Solisten auch das Orchester stand, das sich im lyrischen Mittelsatz besonders einfühlsam zeigte.

Ohne Ulla Teutschs inspiriertes Flötenspiel hätte dem Konzert Entscheiden­des gefehlt. Die 1992 in Aalen geborene Schülerin besucht die zwölfte Klasse des Metzinger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und hat bereits mehrere Preise bei »Jugend musiziert« auf Regional- und Landesebene eingeheimst. In Wolfgang Amadeus Mozarts Andante C-Dur (KV 315) für Flöte und Orchester entlockte sie ihrem Instrument einen phänomenal gleichmäßig runden, vollen Ton, der auch in der Höhe ohne Schärfe blieb. Eine kristallklare Phrasierung – fast mustergültig in der Kadenz – und wundervolle Legatobögen machten ihren kurzen Auftritt zu einem Genuss, der dadurch gesteigert wurde, dass auch das Orchester aus allen Poren den Esprit Mozarts atmete.

Franz Schuberts »Salve Regina« für Sopran und Streichorchester rundete den Konzertvormittag ab. Susanne Moldenhauer, Dozentin für Gesang an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, brachte die anrührende Schönheit des Stücks wunderbar zum Leuchten. Vokale Bravour und bestechende Eindringlichkeit lagen in ihrer samtig timbrierten Stimme. Die Streicher begleiteten sie agil und facettenreich. Das Publikum bedankte sich bei den Akteuren mit reichem Beifall. (GEA)

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